Sharon Harper

Moon Studies and Star Scratches

13.10. - 15.11.08

 

Erst wenn sie auf fotografisches Material gebrannt werden erschließen sich die Bilder der Serie „Moon Studies“ von Sharon Harper dem Auge. Die traditionellen Sphären des erhabenen und unermesslichen Nachthimmels stellen hier die Objekte dar, die in der Kamera untersucht und umgewandelt werden. Was jenseits des Films verbleibt, lässt Spuren von Erinnerungen erahnen. Dabei ist die Kamera selbst eine Metapher der in der Natur allgegenwärtigen Technik. Sie ist ein Bindeglied unserer Interaktionen mit der natürlichen Welt. Zudem eröffnet sie neue Wahrnehmungsmöglichkeiten für die Neuinterpretation des Erhabenen. Die Fotografien wurden mit einer 8×10-Kamera auf Diafilm und Schwarzweißfilm gebracht, wobei die Monde über einen Zeitraum von mehreren Tagen, Wochen und Monaten auf einen einzigen Filmabschnitt fotografiert
wurden. Der Mond verbindet das menschliche, auf einem Monatskalender basierende
Zeitverständnis mit einem Himmelsreich, in dem die Zeit in Lichtjahren gemessen wird. Die lange Belichtungszeit, die bei den Fotografien der Reihe Star Scratches angewendet wurde, erkunden die Zeit noch weiter. Sie verbinden das Zeitverständnis eingebettet in die Fotografie - eine vierstündige Belichtung lässt den Stern auf dem Film als Streifen erscheinen - mit der Tatsache, dass das Sternenlicht, das auf den Film trifft, Lichtjahre alt ist. Sternenlicht und fotografisches Licht enthalten verschiedene Zeitcodes. Diese Bilder stellen den Versuch dar, eine Sphäre aufzuzeichnen, die nur schwer mit unserer Vorstellung von Zeit in Einklang zu bringen ist. Ein Versuch, der die Unermesslichkeit des Erhabenen in einem Zeitrahmen darstellen will, der für uns begreifbar ist.
Sharon Harper, 1966 geboren in Stamford, Connecticut, USA, lebt und arbeitet in Boston.
Sie ist “Assistant Professor of Visual and Environmental Studies” an der Harvard University in Boston.