Madeleine Dietz / Martin Willing

26.03. - 30.04.09

 

Die in dieser Ausstellung gezeigten Künstler, Madeleine Dietz und Martin Willing, verwenden beide für ihre Arbeiten hauptsächlich das Werkmaterial Metall, jedoch in einer kontrastierenden Weise. Madeleine Dietz´ Arbeiten sind erdverbunden, schwer, wohingegen die Arbeiten von Martin Willing leicht, fast luftig wirken. Durch das Zusammenspiel dieser beiden Positionen ergibt sich ein spannungsreiches Verhältnis.
Für ihre Arbeiten benutzt Madeleine Dietz (1953) Stahl in unterschiedlichen Blechstärken, aus dem sie Körper schafft, die meist aufbewahrenden Charakter haben wie Schreine, Metallbehälter, Gefäße oder Regale, die sie selbst häufig als Tresore bezeichnet. Die Stahlbleche verarbeitet sie unbehandelt, so dass die Walzhaut erhalten bleibt und den Objekten eine lebendige, changierende Farbigkeit verleiht.
Neben dem Werkstoff Metall hat Erde noch eine existentielle Bedeutung für die Künstlerin. Sie ist für sie Grundlage menschlichen Lebens, das aus ihr erwächst, das uns die notwendige Nahrung spendet, aber auch das Material für das Bauen und Wohnen ist, das uns Schutz gewährt. Zugleich ist sie Symbol für das Vergehen, den Tod und die Rückkehr
zum Ursprung. In ihr ist, wie in einem Archiv, auch Vergangenheit, vergangenes Leben und vergangene Kultur bewahrt. Diese Polarität zwischen Werden und Vergehen findet in den Werken der Künstlerin ihren sichtbaren Ausdruck. Die Erde ist dabei auf unterschiedliche Weise in die Arbeiten eingebunden. Zum einen werden gebrochene Erdschollen Stück für Stück aufeinander geschichtet, zum anderen fügt Madeleine Dietz die Erde ein als Ganzes ein, die getrocknet ist und dadurch deutlich sichtbare Risse aufzeigt. Bei ihren neusten Arbeiten fällt die verarbeitete Erde nicht sofort auf, man muss ein wenig „um die Ecke schauen“, um diese zu entdecken. Neben ihren Stahlkörpern werden in der Ausstellung auch „Erdräume“ gezeigt, in denen sich dem Betrachter die Erde in ihrer feinsten, beinahe sandartigen Materialität bietet, um einen fließenden Übergang zwischen den einzelnen Segmenten zu ermöglichen.

In wissenschaftlicher Genauigkeit und Systematik erkundet Martin Willing (1958) kinetische Fragestellungen und Schwingungsvorgänge im Raum. So entstehen Skulpturen aus geometrisch exakt geformten Metallstäben und -bändern (bevorzugt aus Titan, Stahl, Duraluminium), die gegen die Schwerkraft vorgespannt sind. Dabei entwickeln sie eine spezifische Eigendynamik zwischen Statik und Bewegung. Die Stäbe und Bänder schneidet der ausgebildete Physiker aus Vollmetall heraus, die geschlossene Form wird auf diese Weise geöffnet und ein kleiner Impuls genügt, um sie in Schwingung zu versetzten. Dabei geht er oft bis ans Äußerste des technisch Möglichen. Kinetische Monumentalfreiplastiken, wie Quadratschichtungen, besetzen in seinem Werk aufgrund ihrer komplizierten Berechnungen und aufwändigen Konstruktion eine Solitärposition. Bei der Gratwanderung zwischen Stabilität und Bewegung entwickeln sie dabei eine Eigendynamik, welche den Betrachter unweigerlich in ihren Bann zieht.